AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Gespräche in der Weinstube

Vom Friedhof zum Friedwald

Von frühen Formen bis in die heutige Zeit: Theologe und Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel Prof. Dr. Reiner Sörries beleuchtete "Bestattungskultur im Wandel"

Evangelisches Dekanat Wöllstein/Luise LutterbachHatten zu der Veranstaltung eingeladen (von links): Markus Klosheim, Hans Bentz, Dekanin Monika Reubold, Referent Prof. Dr. Reiner Sörries, Monika Klosheim und Pfarrer Eric Kalbhenn.

Das Gemeinschaftsgrab für Hamburger Fußballfans, das Verstreuen der Asche vom Heißluftballon aus, die Urne im Kanalrohrgrab oder die Beisetzung auf der Bergweise: In seinem Vortrag über Bestattungskultur im Wandel in spannte Professor Dr.  Reiner Sörries einen weiten Bogen von früheren Formen der Bestattungskultur bis in die heutige Zeit.

Für den Theologen und ehemaligen Direktor des Zentralinstituts und Museums für Sepulkralkultur in Kassel war es das erste Mal, darüber in einer Weinstube zu referieren, wie er schmunzelnd anmerkte. Für rheinhessische Christen durchaus nicht ungewöhnlich, wie Pfarrer Eric Kalbhenn deutlich machte. Zusammen mit seinem katholischen Kollegen Hans Bentz von der Fachstelle für Ökumene im Evangelischen Dekanat Wöllstein hatte er in die Vinothek des Magdalenenhofes gebeten. Was lebhaften Zuspruch fand: „Wein und Theologie passen gut zusammen. Da ist uns Jesus ein Vorbild.“

Vom Kirchhof in die Weinberge

In vorreformatorischen Zeiten Bestattung auf dem Kirchhof, um nahe bei den in der Kirche verehrten Heiligen und Reliquien zu sein und mit ihnen auferstehen - heute Bestattung in den Weinbergen oder im Friedwald: Begräbniskultur ist immer einem Wandel unterworfen und spiegelt stets auch ihre Zeit. Selbst im Dekanat Wöllstein reicht die Spannbreite von der Beerdigung inklusive Leichenzug vom Haus der Verstorbenen bis zum Friedhof bis zur Urnenbeisetzung im profanen, aber günstigen Kanalrohrgrab, machte Kalbhenn deutlich.

Auch wenn in Filmen Bestattungen noch immer meist als Erstbestattung mit Pfarrer und schwarz gekleideter Trauergemeinde dargestellt werden: Diese Form ist heute eine Ausnahme, so der Experte für Trauer und Tod. in vielen Regionen gäbe es bis zu 90 Prozent Feuerbestattungen. Bestattungsunternehmen indes stehen im Wettbewerb zueinander: In den jüngsten Jahrzehten stieg die Zahl der Bestatter enorm, ebenso wuchs ihr Angebotsspektrum.

Trend zur Säkularisierung

Auch der demografische Wandel trägt zu einer veränderten Begräbniskultur bei. „Wenn Kinder beruflich oder privat in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, spielt der Gedanke an eine Entbindung von der Grabpflege schon eine Rolle“, so Sörries. Hinzu kommen die Säkularisierung von Bestattungen, der Wettstreit von „Ersatzreligionen“ und Weltanschauungen.

Für die Wöllsteiner Dekanin Monika Reubold ist es ganz klar Aufgabe der Kirche, über das Thema Bestattung zu informieren. "Es heißt `Gott hat uns bei unserem Namen gerufen`", sagte sie. Dieser Name mache uns unverwechselbar und einzigartig. Reubold hielt ein Plädoyer für kirchliche Bestattungen. Es sei wichtig, die Verstorbenen noch einmal „beim Namen zu nennen“ und zu würdigen, sowie die Hinterbliebenen mit der österlichen Botschaft zu trösten.


Diese Seite:Download PDFDrucken

to top